Premiere: so forsch, so furchtlos // co>labs / Beate Höhn
ein multimediales Tanz-/Performanceprojekt mit Installationen, Film- und Hörbeiträgen zum Thema Idylle und Illusion
Populistische Parteien und antidemokratische Strömungen weltweit versprechen in ihren Zukunftserzählungen Idyllen, in denen perfekte Bedingungen für ausgesuchte Gemeinschaften herrschen. Das Tanz/Performance Projekt „So forsch, so furchtlos“ möchte den Themenkomplex der Idylle in der Kongresshalle des Reichsparteitagsgeländes untersuchen und künstlerisch bearbeiten. In der Wahl dieses kalten und unwirtlichen Ortes stellt es sich damit diesem Relikt nationalsozialistischer Herrschafts-architektur und zieht einen größtmöglichen Kontrast zu üblichen Vorstellungen von Idylle. In einer Welt, die von verstörenden Veränderungen geprägt ist, wird nach Orten der Zugehörigkeit und Gemeinschaft gesucht, nach Orten der Idylle. Diese bieten Raum für Identifikation, für Erfüllung und Orientierung. Sie sind Rückzugsorte um ein neues Selbstwertgefühl zu entfalten, aber auch um Gemeinschaft zu erleben. Diese Sehnsucht nach Idylle wird seit einiger Zeit von rechtspopulistischen Strömungen vertreten und bespielt, wobei sie oft einer tiefen Unzufriedenheit mit der Realität entspringt. Doch hinter der idyllischen Fassade lauern Reibung und Widerspruch. Was muss alles getan werden, um idyllische Zustände zu erreichen? Was muss abgeschafft und aus dem Weg geräumt werden - Andersdenkende, Migranten -, um zur vermeintlichen Harmonie zu gelangen? Was geschieht, wenn das durch die Vorstellung der Idylle geprägte Selbstwertgefühl in Größenwahn umschlägt? So verbirgt sich hinter der Fassade der Idealvorstellung einer Idylle eine tiefere Täuschung von Unterdrückung und Verdrängung. Und immer wieder gibt es Ent-täuschte, die den Schleier wegziehen und die inneren Konflikte und Widersprüche einer vermeintlichen Harmonie aufzeigen.
„So forsch so furchtlos“ beschäftigt sich mit den Zukunftsfantasien von Megastädten, von schwimmenden Gemeinschaften auf See, mit den Vorstellungen völkischer Siedler, aber auch dem Rückzug ins Religiöse und dem Glauben an die Digitalisierung.
Co>labs entwickelt gemeinsam mit einem Filmer und bildenden Künstler:innen der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg für das Performance-Projekt „So forsch so furchtlos“ begehbare Stationen, die mit Audio- und Videoinstallationen, 4 Tänzer:innen, Choreographien und bildhaften Elementen, Mitgliedern des StadtNsembles, einer Opernsängerin, einem DJ und einer Reiterin mit Pferd das Spannungsfeld von Idylle, Größenwahn und Desillusionierung für das Publikum erlebbar machen.
*Hinweis: Die Räumlichkeiten sind nicht beheizt und befinden sich in einem Rohbau. Die Raumtemperatur entspricht der Außentemperatur. Bitte kleiden Sie sich entsprechend.
CHOREOGRAFIE/REGIE Beate Höhn
KÜNSTL.MITARBEIT/DRAMATURGIE Thomas Stang
TANZ/PERFORMANCE Giusy Cirillo, Jonas Dürrbeck, Henry Nguyen, Emmanuelle Rizzo, Mitglieder StadtNsemble Nürnberg
GESANG Rebecca Martin
REITERIN/PFERD Britta Mayer/Etienne
FILM Ali Al-Zubaidi
RAUM Michelle Berndt, Theresa Koller
SOUND Marius Müller
LICHT/TECHNISCHE LEITUNG Rüdiger Sturm
PRODUKTIONSASSISTENZ Wiebke Witsch
GRAFIK Philipp Stöcklein
Eine Koproduktion mit der Stabstelle ehemaliges Reichsparteitagsgelände im Geschäftsbereich Kultur, gefördert von der Stadt Nürnberg, der Kulturstiftung der Sparkasse, der Kunst- und Kulturstiftung der Nürnberger Nachrichten. Mit freundlicher Unterstützung des Kulturamts der Stadt Fürth und der TanzZentrale e.V. Dieses Projekt wird ermöglicht durch den Bayerischen Landesverband für zeitgenössischen Tanz (BLZT) aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst.
Mehr Info unter www.colabs.de
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