Raw & Polished

Nachbericht zur vergangenen Ausgabe am 20.10.

Am 20.10.2019 fand zum 5. Mal RAW & POLISHED, die offene Präsentationsplattform für Tanz, in der Tanzzentrale der Region Nürnberg e.V. statt. Vor vollen Reihen zeigten 11 Tänzerinnen und Tänzer 9 Kurzstücke und gingen am Ende des Abends im Künstlergespräch in einen Austausch mit dem Publikum.

Eröffnet wurde die Bühne von der Norwegerin Josefine Frljić mit ihrem Stück „Reverie“, in dem sich die Protagonistin in wechselnden Tagträumen verfängt, die sie durch unterschiedliche Bewegungsmuster – untermalt mit verschiedenen Lichtstimmungen und Musikstücken – sichtbar werden ließ.

Foto: Henrik Kaalund

Im Stück „Ougi“ (Der Fächer) zeigten die beide aus Japan stammenden Tänzerinnen Hinako Tiara und Mari Kohara, eine lebendige Choreographie,die sich mit der japanischen Ästhetik des „Schönen“ beschäftigte und die Requisite „Fächer“ in einer modernen Weise mit einbezog.

Foto: Henrik Kaalund

Die gebürtige Österreicherin Sophia Ebenbichler, die in Regensburg lebt und derzeit an der Nürnberger Oper tanzt, zeigte mit „La Patineuse“ ein
Stück, dass sich in humorvoller Art mit einer Eiskunstläuferin beschäftigt und über das sie selbst treffend sagt: „Ich wollte einfach mal was lockeres,
leichtes einfach zum anschauen und genießen machen!“

Foto: Edda B. Lang

“Now What?“ die erste Produktion der 2019 gegründeten Koalition Dance Company aus der Schweiz wurde getanzt von Laetitia Kohler und Dario Theiler. Das Stück macht sich tänzerisch auf die Suche nach der Frage “Was ist Jugend und wie bewahrt man sie?“. Ein dynamisches Duett, das ursprünglich für zwei Frauen konzipiert ist und sich nun auch im gemischten Doppel bewähren konnte.

Foto: Edda B. Lang

Bevor es in die Pause ging zeigte Erica D´Amico aus Italien das Solo “Second Daughter“, das inspiriert ist von dem tiefen emphatischen Prozess
einer Familienkrise, den die Tänzerin als 2. Tochter selbst durchlebt hat. Mit einer ganz eigenen ausdrucksstarken Bewegungssprache nahm sie die Zuschauer mit auf eine Reise durch die verschiedenen Charaktäre und Prozesse der Familie.

Foto: Henrik Kaalund

Nach der Pause, in der die Zuschauer Gelegenheit hatten sich nochmals eingehend die Bilder der am selben Tag im Foyer der Tanzzentrale eröffneten Ausstellung „danseuses“ des Nürnberger Künstlers Christian Haberland anzuschauen, ging es weiter:
Der aus Hongkong stammende Tänzer Ka Chun Hui, der derzeit am Mainfranken Theater in Würzburg tanzt, zeigte mit „Portrait Me“ in einer abwechslungsreichen Choreographie mit ebenso kraftvollen wie berührenden Passagen, die Höhen und Tiefen eines Identitätsfindungsprozesses. Ein Hemd und ein paar Schuhe dienten dabei als aussagekräftig eingesetzte Partner.

Foto: Henrik Kaalund

In einem zweiten Duett „Kaguya“ tanzte Mari Kohara mit ihrer Kollegin Sana Sakata, die von einem in Japan bekannten Film inspirierte Geschichte einer Frau, die ihr Leben auf der Erde hinter sich lassen muss, um dem Ruf einer mystischen Frau vom Mond zu folgen. Die feinfühlige Choreographie lebte von Gegensätzen und Nähe-Distanz-Beziehungen.

Foto: Edda B. Lang

Der vorletzte Tanz des Abends war der „Last dance on Earth“ von Maya Tenzer aus Kanada, die auch derzeit am Mainfranken Theater in Würzburg tanzt. Begleitet von einer Stimme aus dem off – verkörperte sie mit einer Mischung aus Tanz & Theater einen Charakter, der in einer Zukunft lebt, die spürbar geprägt ist von Klimaveränderungen und andererseits Freiheit bietet durch eine Auflösung von Gender-Rollen.

Foto: Edda B. Lang

Zum Abschluss wurde es dann „Fucking Beautiful“: Nathalie Bury, die in München ansässige Schweizerin, war schon zum zweiten Mal bei Raw & Polished mit dabei. Unterlegt von einer eigens in Zusammenarbeit mit Hannes Wollmann angefertigten stark atmosphärischen Soundlandschaft – nur aus ihren Stimmen – schafft sie ein zwar minimalistisch, aber dafür umso präziser bewegtes Bild einer Frau, die sich auf der dünnen Linie zwischen Hässlichkeit und Schönheit von Körper und Geist bewegt.

Foto: Edda B. Lang

Im anschließenden Austausch mit dem Publikum konnten sich die Künstler*innen nach eigenen Aussagen wieder wertvolle Denkanstöße für eine weitere Arbeit an ihren zum Teil noch „in progress“ befindlichen Stücken holen. Als Moderatorin durch den Abend führte Anne Devries, das Lichtdesign und Video machte Henrik Kaalund, das Licht und Ton am Abend wurde gefahren von Moritz Schmeisser. Das Projekt fand wieder mit der freundlichen Unterstützung der Tanzzentrale der Region Nürnberg e.V. statt.

Die Fortsetzung der Reihe Raw & Polished gibt es 2020 am 9.2., 26.4. und 18.10., je Sonntags um 19 Uhr in der Tanzzentrale Fürth, Kaiserstr. 177.

Bewerbungen für Präsentationen können ab sofort unter rawandpolished@gmail.com eingereicht werden.