Nachbericht Raw & Polished

Am 18.Oktober 2020 fand in Fürth zum 7. Mal „Raw & Polished“ die offene Präsentationsplattform für zeitgenössischen Tanz in der Tanzzentrale der Region Nürnberg statt. Diesmal bedingt durch die speziellen Umstände der Corona-Auflagen in zwei Vorstellungen jeweils „vollbesetzt“ – mit den erlaubten 14-16 Zuschauern – vor einem dankbaren und unterstützenden Publikum. Aufgrund von kurzfristigen Absagen einiger KünstlerInnen, verletzungsbedingt und aufgrund von Reise-Einschränkungen durch Auflagen für Corona-Risikogebiete, wurden schließlich 6 der geplanten 9 Stücke gezeigt, je 4 pro Vorstellung vor den zwei verschiedenen Zuschauergruppen. Zwei ausgeloste Tänzerinnen freuten sich so ihre Stücke gleich zweimal an einem Abend zeigen zu können.


Anna Jirmanova aus Tschechien, derzeit als freelance dancer in Würzburg tätig, hinterfragte in „_less“ mit ihrem Tanz zwischen Staccato und sich verwringendem Fluß die Leere, die nach dem Verlieren übrig bleibt und fand dabei, nachdem sie sich aus ihren einengenden äußeren Hüllen geschält hatte, auf ihren Körper geschriebene Worte der Hoffnung.


Anna Martens und Alina Groder aus der Region München thematisierten in „meine mums sagen immer…“ die Diskrepanz zwischen dem, wie Frauen gesehen werden und was sie in der Gesellschaft tatsächlich leisten. Sie stiegen verbunden mit dem buchstäblichen roten Faden in den Tanz ein, der Abhängigkeiten und Manipulationen sichtbar machte und befreiten sich hin zu einem mit scheinbar müheloser Leichtigkeit getanzten Duett – teilweise in Kontrast gesetzt mit Textsequenzen, die Fragen zu Frauen betreffenden Themen in den Raum stellten.


Mit „CONSUME!“ brachte Jenny Szabo, die an der Dimitri Schule im Tessin studiert hat, ein Physical Theater Stück auf die Bühne, in dem sie ausdrucksstark und facettenreich mit Sprache und Bewegung den Wahnsinn der Konsumgesellschaft pointierte und ad absurdum führte.


Ali Uzer geboren in Istanbul und seit Jahren festes Ensemble Mitglied im Theater Hof machte sich mit seiner Choreographie „A Pile of Dust“ auf die Suche nach dem, was wir in der heutigen Zeit noch mit „einer Handvoll Erde“ anzufangen wissen. Ebendiese bezog er auch physisch mit in seinen Tanz ein, der sich durch virtuose Ausdruckskraft in seinen minimalistischen bis raumgreifenden Bewegungen auszeichnete und schließlich effektvoll zuckend im Rauch endete.


Ange Aoussou tanzte eine Hommage an alle Frauen, die für ihre Kinder unnötiger Weise bei der Geburt sterben, so wie es in ihrer Heimat der Elfenbeinküste 150 von 1000 Frauen bei der Geburt ergeht. In „Ich brauche ein Licht in meinem Garten“ finden – zwischen Wäscheleine und Babystramplern – Trauer, Wut und Schmerz in ihrer erdigen und kraftvollen Bewegungssprache ebenso Ausdruck, wie die Hoffnung, die schließlich trotz allem das Lachen eines Babys in die Welt bringt.


Mit „1,2,3“ zeigten Laura Meißauer und Annette Vogel aus der Region Regensburg-Straubing eine humorvolle getanzte Bewegungsstudie zweier Kumpel auf Sauftour. Ausgehend von einer pantomimischen Tresen-Szenerie landen die beiden mit „steigendem Alkoholpegel“ in einem zunehmend dynamischem Duett mit Partnering-Sequenzen.


Am Ende jeder Vorstellung fand gemäß der Auflagen ein verkürztes Publikumsgepräch von den Sitzplätzen aus statt, das zumindest einen kleinen Rahmen für Feedback zu den teilweise noch als „work in Progress“ gezeigten Stücken geben konnte.
Die positiven Rückmeldungen aller Beteiligten dieses Abends haben die Veranstalter Anne Devries und Henrik Kaalund sehr gefreut und für den organisatorischen Mehraufwand durch die Corona-Auflagen entlohnt. Wir alle freuen uns, dass dieser Abend in diesem außergewöhnlichen Jahr gerade noch rechtzeitig vor dem nächsten „Lockdown“ stattfinden konnte!

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